…TOD / VERLUST

Da ich mich mit dem Thema Tod und Trauer sehr intensiv beschäftigt hatte, dachte ich wirklich ich sei vorbereitet gewesen. In gewisser Weise war ich es auch….

Worauf ich nicht vorbereitet war und worauf sich wohl niemand wirklich vorbereiten kann, ist der Verlust – ist diese Lücke, die der Mensch hinterlässt den man gehen lassen MUSS.

Zwei Stunden nach der Todesnachricht hatte ich begriffen, dass der Mensch, der immer ganz selbstverständlich da war, definitiv nicht mehr da ist. Ich konnte weinen und mich trösten lassen und irgendwie ging es auch einigermaßen gut.

Doch erst 5 Tage später habe ich den Tod tatsächlich realisiert – 5 Tage hat es gebraucht bis ich den wirklichen Schmerz gespürt habe. Der ging einher mit diesem Gefühl, dass ich schon oft von anderen gehört hatte: „Ich dachte, mir zieht jemand den Boden unter den Füßen weg.“

Dieser Schmerz ist nicht zu beschreiben. Er ist sehr intensiv körperlich spürbar und jeder spürt ihn an der Stelle seines Körpers, wo er Trauer und Schmerz nun mal empfindet. Für mich fühlt es sich an wie ein riesiger Vulkankrater der aufgebrochen ist. Selbst wenn er sich kurz beruhigt weißt du genau, dass er jederzeit mit viel Getöse wieder aufbrechen kann und du nichts, aber auch gar nichts, dagegen tun kannst.

Dieser Schmerz der durch den Verlust entsteht, ist da, egal ob du davon überzeugt bist, dass die Seele dieses Menschen weiter existiert und es sogar ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene in einer anderen Dimension gibt oder nicht. Dir wird bewusst, dass du diesem Menschen mit diesem vertrauten Gesicht, mit den vertrauten Gewohnheiten, mit dem vertrauten Lachen und dieser einzigartigen Art nie wieder begegnen wirst. Solltest du ihm (in einer anderen Dimension) noch einmal begegnen, wird er auch diesen Namen nicht mehr tragen. Du spürst die Endlichkeit unseres menschlichen Daseins wie eine eiserne Hand, die sich um unser Herz legt.

Das große WARUM schreit ständig in dir und sehnsüchtig steigen Sätze in dir auf, die mit „Könnte ich doch nur noch einmal….“ anfangen.

Menschen kommen und sagen dir etwas wie: „Die Zeit heilt alle Wunden!“ – „Du musst unter Leute gehen, vergiss nicht zu LEBEN!“ und du denkst dir nur, dass sie nicht wissen wovon sie reden…

Nichts kann dich trösten, dass Einzige was du tun kannst ist dein Leben weiter zu leben – zur Arbeit zu gehen, deine Kinder zu versorgen und alles so zu machen wie du es immer gemacht hast.

Und auch die Wut habe ich gespürt. Ich habe geschrien und getobt vor Wut, weil ich verlassen wurde. Ich wusste, dass es verrückt ist, jemanden anzuschreien und zu beschimpfen, weil er tot ist(!) aber ich wusste auch nicht wohin mit diesen negativen Gefühlen, also habe ich das gemacht, was sich bewährt hat und habe die Gefühle einfach „rausgelassen“.

Oft habe ich mich gefragt, wie andere Menschen mit diesen Verlust-Gefühlen umgehen und habe festgestellt, dass eines uns alle eint, egal welcher Religion, welcher Nationalität, egal ob Idealist oder Realist, Positiv- oder Negativdenker – keiner gibt die LIEBE zu dem verloren Menschen auf.

Die Liebe bleibt über den Tod hinaus für alle existent. Komisch oder?

Sie stirbt einfach nicht mit. Sie ist das Bindeglied, dass wir für unser Weiterleben zwingend brauchen. Die Liebe bringt uns in unsere Mitte zurück. Nicht die Zeit heilt die Wunden, die Liebe ist es! Dabei ist es gleich, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht – es ist so!

Die Natur oder Gott oder das Universum, wie auch immer wir die Quelle aus der wir alle kommen nennen mögen versorgt uns mit dieser Liebe. Wir haben alle Liebe in uns, weil wir sonst nicht leben könnten.

Nachdem ich diese (Verlust) Erfahrung gemacht habe, hoffe ich für alle Menschen, denen Gleiches widerfährt, dass sie ganz bewusst die Liebe in ihr Leben lassen.

Welche Gefühle auch immer in uns sind und uns zu überfluten drohen, wenn wir unser Bewusstsein auf die Liebe ausrichten, werden wir den Weg finden – und zwar jeder seinen EIGENEN Weg!