Mediation oder Meditation

von | 20. Nov. 2020

Empathie versus Mitgefühl versus Mitleid

Ihr Lieben,

in Gesprächen mit meinen KlientInnen fällt mir immer wieder auf, dass bestimmte Begriffe, die durchaus gängig sind, nicht für jeden klar definiert sind. Oft erlebe ich aber, dass es durchaus eine Hilfe sein kann, wenn jeder für sich Klarheit über bestimmte Worte hat. In diesem Kontext geht es mir heute um

Empathie versus Mitgefühl versus Mitleid

Viele Menschen setzen Empathie mit Mitgefühl gleich. Das kann man so sehen; ich differenziere an dieser Stelle jedoch schon.

Zur Empathie fähig zu sein – empathisch zu sein – bedeutet erst mal nur, dass ich mich in die Lage eines anderen Menschen hineinversetzen kann. Ich kann also auf einer kognitiven Ebene verstehen warum er/sie so handelt. Die Begriffe auf diese Weise zu unterscheiden, kann ein Riesenvorteil sein, darauf komme ich gleich zurück.

Denken wir jetzt erst mal über Mitleid nach. Das Wort Leid steckt schon drin. Wenn ich mit jemandem Mitleid habe, LEIDE ich also mit. Sollte sich mein Mitleid z. B. auf ein Tier beziehen, kann mich das dazu bewegen, dass ich aktiv werde und versuche alles in meiner Macht Stehende zu tun um zu helfen; also Abhilfe dafür zu schaffen, was das Tier leiden lässt, weil es das selbst nicht kann.

Nach meiner Erfahrung sieht es bei einem Menschen anders aus. Leide ich bei einer Person mit, möchte ich vermutlich auch hier Abhilfe schaffen. Dann bin ich allerdings dazu geneigt eine Grenze zu überschreiten, da ich mich ggf. in die Angelegenheit dieser Person einmische. In diesem Fall übernehme ich für die Person eine Verantwortung, die mir nicht zusteht. Oder ich kann gar keine Abhilfe schaffen z.B. bei einer Krankheit, dann hilft mein MitLEID hingegen auch wenig, weil es somit schon mind. 2 Personen gibt denen es schlecht geht und keinem ist geholfen – im Gegenteil.

Mitgefühl hingegen ist genau das Gefühl, was einem leidenden Menschen wirklich hilft und ihn in seinem tiefsten Inneren nährt. Ich behaupte, dass es jedem Menschen in einer schwierigen, ausweglos erscheinenden Situation zutiefst guttut, wenn ein anderer Mensch mitFÜHLT und gleichzeitig dem anderen zutraut – also das Vertrauen in ihn/sie hat – dass er/sie mit der Situation fertig wird (Unterstützung selbstverständlich inclusive).

Zum Schluss lade ich dich noch zu einem Gedankenexperiment ein. Stell dir vor, du hast gerade einen Konflikt mit einer anderen Person. Möglicherweise fühlst du dich zu diesem Zeitpunkt gar nicht in der Lage Mitgefühl für den/die andere(n) aufzubringen und/oder du hast schlichtweg keine Lust dazu, weil du einfach von der anderen Person genervt bist. Solltest du aber trotzdem grundsätzlich an der Konfliktlösung interessiert sein, kann die Unterscheidung zwischen Mitgefühl und Empathiefähigkeit an dieser Stelle hilfreich sein.

Mitfühlen wäre zu diesem Zeitpunkt, schon von der Wortwahl her schwierig, aber sich gedanklich in die Situation des anderen hinein zu versetzen könnte ein guter Anfang sein!

Diese – meine persönliche Unterscheidung der Begriffe – erhebt natürlich keinen Anspruch auf sprachliche Korrektheit. Vielmehr soll sie zum Nachdenken anregen und bestenfalls eine Möglichkeit bieten mit sich SELBST-bewusster zu sein.

Herzlichst
Karin Joseph

Ihr Lieben,
 
wie jedes Jahr erinnert uns die Natur in diesen Tagen daran, dass wir langsam zur Ruhe kommen könnten und dass es eine gute Idee wäre, einen Moment innezuhalten, bevor das Jahr zu Ende geht. Vielleicht gönnen wir uns, trotz all der Aufgaben und Gedanken, einen ruhigeren Rhythmus, in dem wir uns erlauben das Wesentliche wieder zu fühlen, jenseits von Richtig und Falsch.

Lass dich gern von diesem Zitat von Rumi inspirieren, diesen inneren Ort aufzusuchen, der frei von Urteil ist. Einen Ort, an dem wir einfach sein dürfen, mit allem was uns ausmacht.

Kennst Du diesen Ort? Er zeigt sich in Augenblicken, in denen du tief durchatmest, in denen du milde mit dir wirst oder spürst, dass etwas Wesentliches in dir verstanden wurde. Es ist ein Raum jenseits von Bewerten und Vergleichen, ein Raum, der dich einlädt, bei dir selbst anzukommen.

Ich liebe es, wenn in der Arbeit mit meinen Klienten dieser innere Raum immer wieder entsteht. Der Raum für Fragen, für Achtsamkeit, für leise Erkenntnisse und mutige Schritte. Und ich bin von Herzen dankbar für all das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird und die Offenheit, sich auf diesen Weg einzulassen.

Zum Jahresende wünsche ich dir, dass du diesen Ort auch im Alltag findest. Er kann als ein inneres Licht Halt geben, auch wenn die Zeiten schwierig erscheinen.

Ich freue mich darauf, auch im kommenden Jahr wieder mit dir zusammenzukommen. Lass uns an dem Ort, jenseits von Richtig und Falsch, treffen. Es ist tatsächlich der einzige Ort der dich stärkt und dir Frieden schenken kann.

Gesegnete Weihnachten und ein friedvolles neues Jahr wünsche ich dir!

Herzlichst

Karin Joseph

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