Mediation oder Meditation

von | 4. Juni 2026

Gefühle sind zum Fühlen da

Ihr Lieben,

habt ihr auch schon erlebt, dass es beim viel diskutierten Thema „positives Denken“ scheinbar nur zwei Lager gibt, die ihre Position jeweils mit großer Überzeugung vertreten? Wenn ich nach meiner Meinung dazu gefragt werde, lautet meine Antwort fast immer:

Es kommt auf die Perspektive an.

Ich glaube, wir sind uns einig, dass Menschen mit einer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung vieles im Leben leichter meistern. Oft bringen sie einen natürlichen Optimismus mit. Ihre Haltung lautet: „Egal, was passiert – es gibt immer eine Lösung.“ Oder wie man in Köln sagt: „Et hätt noch emmer jot jejange.“

Doch was ist mit den Menschen, die diesen Grundoptimismus nicht von Natur aus mitbekommen haben?

Sie stehen vor der Herausforderung, entweder in einer negativen Sichtweise zu verharren oder bewusst eine positivere Haltung zu entwickeln. Und genau hier wird es spannend.

Warum?

Weil echte Veränderung viel innere Arbeit bedeutet. Wer sein Mindset nachhaltig verändern möchte, kommt nicht darum herum, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Stell dir folgende Situation vor:

Du triffst eine Bekannte (oder einen Bekannten), die du lange nicht gesehen hast. Sie erzählt dir offen, was in ihrem Leben gerade alles nicht rund läuft. Und nachdem sie ihre Sorgen geschildert hat, sagt sie zum Schluss:

„Aber man soll ja positiv denken.“

Genau in diesem Moment bekomme ich regelmäßig Schnappatmung. 

 

Denn:

You can’t put sugar on shit and call it a brownie.

So gut ich verstehen kann, dass jemand aus einer belastenden Stimmung herausmöchte, so klar ist mir auch: Das ist nicht der richtige Weg.

Denn das ist nichts anderes als toxische Positivität.

Warum toxisch?

Weil wir dabei versuchen, unangenehme Erfahrungen mit einer Schicht Optimismus zu überdecken, anstatt sie wirklich anzuschauen. Wir reden uns Dinge schön und ignorieren die Gefühle, die gerade da sind.

Doch was passiert, wenn wir unsere sogenannten negativen Gefühle ständig wegdrücken?

Gefühle sind wichtige Signale. Sie weisen uns auf etwas hin, das Aufmerksamkeit braucht. Wenn wir sie dauerhaft ablehnen, kostet das enorm viel Energie. Innere Erschöpfung entsteht oft genau dort, wo wir gegen unsere eigenen Gefühle kämpfen. Und dann wundern wir uns, warum wir ständig müde und ausgelaugt sind.

Gefühle sind zum Fühlen da.

Das klingt simpel, ist aber unglaublich wichtig.

Ja, Gefühle zuzulassen ist unbequem. Und die meisten von uns haben nie gelernt, wie das geht, ohne direkt in Selbstmitleid oder Grübelschleifen abzurutschen.

Deshalb lohnt es sich, mit dem eigenen Verstand mal ein ernstes Wörtchen zu reden und die Dinge ehrlich zu betrachten. Die gute Nachricht: Unser Körper unterstützt uns dabei. Denn er hat wenig Interesse daran, dauerhaft die Folgen unserer inneren Konflikte auszutragen.

Mein Fazit:

Du kannst nicht alles Negative aus deinem Leben verbannen und das musst du auch nicht.

Aber du kannst lernen, ehrlich mit deinen Gefühlen umzugehen, sie ernst zu nehmen und gleichzeitig den Blick für Lösungen zu behalten.

Genau darin liegt echte Stärke.

Herzlichst

Karin Joseph

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