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Und genau da liegt der Knackpunkt: Diese Haltung kann man nicht einfach beschließen. Man kann sie nicht „machen“. Sie entsteht durch das Leben, WENN wir bereit sind, uns darauf einzulassen.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Warum sollte ich das wollen? Warum sollte ich an einen Punkt kommen wollen, an dem es mir nicht mehr wichtig ist, ob jemand meine Hilfe wertschätzt oder nicht?
Dann möchte ich dir eine Gegenfrage stellen: Wie fühlst du dich, wenn du aus vollem Herzen viel für jemanden getan hast und dein Gegenüber nimmt es einfach als selbstverständlich?
Bist du enttäuscht? Vielleicht wütend? Verletzt? Traurig? Ich glaube, die meisten von uns kennen dieses Gefühl sehr gut.
Und irgendwann wurde mir etwas klar: Nicht die fehlende Dankbarkeit des anderen raubt mir meinen Frieden, sondern meine Erwartung, dass sie da sein müsste.
Dieser Preis war mir irgendwann zu hoch!
Deshalb möchte ich heute etwas sehr Persönliches mit dir teilen. Ich oute mich damit einmal mehr 😉. Aber meine Erfahrung aus der Arbeit mit meinen Klienten zeigt mir immer wieder: Die eigenen Geschichten sind oft die, die am meisten berühren und verdeutlichen.
Deshalb folgt jetzt ein Auszug aus meiner Abschlussarbeit zur Mediator-Ausbildung mit dem Titel „Innerer Frieden“, die ich vor etwa zwei Jahren geschrieben habe. Der Abschnitt stammt aus dem Kapitel „Mein eigener Prozess“.
„…So endete diese Beziehung und ich fiel in das tiefste Loch, in das ich jemals gefallen war.
Heute, etwa dreieinhalb Jahre nach unserer Trennung, bin ich endlich auf dem Weg nach Hause. Zu mir. In meinen inneren Frieden. Bin ich froh, dass diese Beziehung gescheitert ist? Nein. Aber heute fühlt es sich für mich stimmig an, dass alles genau so gekommen ist. Nicht, weil ich mir das einrede, sondern weil ich spüre, dass ich ohne diesen Zusammenbruch niemals den Weg nach INNEN gefunden hätte.
Und genau dort ist etwas entstanden, das ich vorher nicht kannte: eine tiefe Dankbarkeit.
Das Verrückte daran ist, dass ich lange Zeit überhaupt keine Dankbarkeit mehr fühlen konnte, was mich schier verzweifeln ließ! Natürlich wusste ich, dass es in meinem Leben vieles gab, wofür ich dankbar sein konnte, allem voran meine Familie, meine Freunde, mein schönes Zuhause …. Aber fühlen konnte ich es nicht und so schlimm dieser Zustand auch für mich war, so wusste ich doch, dass ich mir dieses Gefühl nicht länger herbeireden oder herbeischreiben wollte, zum Beispiel in Dankbarkeitstagebüchern.
Kleiner Disclaimer: Ich beschreibe hier ausschließlich meinen eigenen Weg. Wenn dir ein Dankbarkeitstagebuch hilft, dann ist das wunderbar. Mir hat es zu anderen Zeiten auch geholfen.
Aber an diesem Punkt meines Lebens wollte das LEBEN mich tiefer führen. Ich wollte keine Dankbarkeit, die nur im Kopf stattfindet. Ich wollte sie fühlen.
Und irgendwann wurde mir klar: Echte Dankbarkeit bedeutet für mich nicht, nur für das Schöne dankbar zu sein. Mein Ziel war es sogar für das dankbar zu sein, was ich damals nur als Katastrophe erleben konnte.
Ja, sogar für die Scheiße, durch die ich gehen musste (SORRY!).
Nicht, weil es schön war. Nicht, weil ich es noch einmal erleben möchte, sondern → weil genau dies mich zu mir selbst geführt hat.
Und ich glaube heute: Ohne diesen Weg hätte ich meinen inneren Frieden niemals gefunden.“
Innerer Frieden entsteht nicht, wenn das Leben endlich so wird, wie ich es will. Er entsteht, wenn ich irgendwann aufhöre, gegen meine Geschichte zu kämpfen.
Der letzte Satz erinnert mich gerade an meinen vorigen Newsletter Gefühle sind zum Fühlen da, indem es auch „toxische Positivität“ ging … und der dir auch schon die Richtung zum inneren Frieden aufzeigen wollte :).
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