…LOSLASSEN

Für mein Empfinden ist „LOSLASSEN“ ein richtiges Modewort geworden. LOSLASSEN ist so ziemlich DIE Lösung für alles. Und stimmt es? Natürlich stimmt es! Das ist ja das Gemeine – oder das Geniale?

Man denke nur an die vielen Paare die sich verzweifelt ein Kind wünschen und alle Energie, viel Zeit und evtl. jede Menge Geld investieren um endlich das Wunschkind zu bekommen. Oft dauern diese Versuche viele Jahre – ohne Erfolg! Wie oft hat man schon gehört, dass es genau dann „geklappt“ hat, wenn das Paar sich ENDLICH von diesem großen Wunsch verabschiedet hat.

Bei Partnerschaftsproblemen ist es oft nichts anderes. Wir spüren den Verlust, ein Gefühl der (emotionalen) Armut ergreift uns und deshalb wollen wir alles andere als loslassen!Was wir in dem Moment wollen ist absichern, absichern, absichern! Wenigstens das bisschen was noch da ist (und sei es eine Partnerschaft, die längst nicht mehr glücklich ist) wollen wir nicht auch noch hergeben. Wir greifen angstvoll nach jeder noch so kleinen Chance, die sich eventuell bietet.  Was wir eigentlich wollen, ist Sicherheit – was wir erreichen ist höchstens eine Pseudosicherheit.

In einem dieser „Ich-will-ja-loslassen-aber-wie?“-Momente hörte ich zufällig (!) den Beatles-Song: „Let ist be“! Wie oft hab ich das Lied schon mitgeträllert, ohne mir nähere Gedanken zu machen!? Dabei ist der Anfang schon so was von genial: „When I find myself in times of troubel…“ („Wenn ich mich selbst in schwierigen Zeiten finde…“

Wann wollen wir uns selbst denn sonst finden, wenn nicht in Krisenzeiten? Wenn alles in Ordnung ist in unserem Leben, nehmen wir es doch so wie es ist und machen uns keine Gedanken; es läuft ja! Erst in der Krise haben wie die Chance uns selbst zu finden! McCartneys Text geht weiter mit „..mother Mary comes to me, speaking words of wisdom”  („…Mutter Maria kommt zu mir, spricht Worte der Weisheit“), nämlich: LET IT BE! (Lass es geschehen!) Lass diese Krise in deinem Leben geschehen und gehe bewusst mit ihr um, damit du DEINEN WEG erkennst!

Später heißt es in dem Lied: „…there will be an answer, let it be.“ („…dort wird eine Antwort sein, lass es geschehen.“) Wenn wir es geschehen lassen, werden wir die Antwort finden! Das heißt nicht, dass wir ohnmächtig alles über uns ergehen lassen sollen und still vor uns hinleiden – NEIN – das wäre die klassische Opferhaltung! Natürlich sollen wir hingucken, sogar genau hingucken, welche Möglichkeiten wir haben, aber unsere Haltung ist dabei entscheidend. Eine Haltung von absichern-absichern-absichern führt uns hier nicht weiter, die einzig konstruktive Haltung ist Gelassenheit.

„Ich lass diesen Schmerz / Wut / Trauer etc. jetzt zu (Let it be!) und achte aufmerksam darauf wo die Lösung (Antwort) liegt. Ich sage nicht, dass das leicht ist, aber ich sage: Das ist loslassen!

Und es ist die effektivste Möglichkeit den EIGENEN Weg zu finden!